Krise der Demokratie. Resonanz in Gemeinwesen und Politik

von Dorothea Kurteu

Hören. Antworten. Und sich dabei verändern lassen. –

Das sind – auf die knappste Formel verkürzt – die drei Grundelemente der Resonanztheorie des Soziologen Hartmut Rosa. In einem jüngeren Buch hat er noch ein viertes – die Unverfügbarkeit – hinzugefügt. Zusatz: Unruhe bewahren.

Hartmut Rosa tourt seit einigen Jahren mit seiner Soziologie der Weltbeziehung durch die Lande. Im besten Sinne sage ich das. Er ist viel gefragt, pflegt eine Wissenschaft im Dialog, spricht vor und mit Pädagog*innen, Pflege- und Führungskräften, Studierenden, Meditierenden und spirituell Praktizierenden (wenn auch hier auf Abgrenzung bedacht, aber das ist eine andere, durchaus spannende, Geschichte).

Im Vortrag, den ich hier teilen und sehr empfehlen möchte, geht es um Resonanz in der Politik, unser aller Politik. Hartmut Rosa entwirft, bezogen auf die Verwerfungen unserer politischen Landschaft und die Krise der Demokratie, eine resonanztheoretische Konzeption des Gemeinwohls.

Literatur:

Unverfügbarkeit (Unruhe Bewahren). Residenz Verlag

Resonanz – Eine Soziologie der Weltbeziehung. Suhrkamp

Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne. Suhrkamp

2 Kommentare
  1. Habiba
    Habiba sagte:

    Danke für den Vortrag Rosas, der wichtige und hilfreiche Gedanken und Leitlinien für demokratisches Handeln erzählt. Was ich darin vermisse ist, dass Hartmut Rosa seine Kernthesen in gewisser Weise als „seine“ Vorschläge präsentiert, seine originären Ideen. Hier verlässt er die Resonanz der Zeit, das Eingebettetsein in Geschichte. Zumindest habe ich es so gehört.
    Gerade dieser Fokus auf Demokratie und Resonanz ist in seinen Grundgedanken stark von der politischen Theorie Hannah Arendts geprägt: Die Grunderinnnerung daran, was wir unter politischem und demokratischen Handeln verstehen, der Blick auf die gemeinsame Welt, die Unvorhersehbarkeit und Bereitschaft zur Pluralität der Stimmen, die Ergebnisoffenheit, über all das hat sie ausführlichst erzählt. Es könnte den Raum weiten, würde das auch – nicht zuletzt als weibliche Quelle – erwähnt sein, so wie er ja auch zu manchen Unterpunkten Thesen von Kollegen zitiert. Mir war es jedenfalls ein Anliegen, daran zu erinnern. hh

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    • Dorothea
      Dorothea sagte:

      Liebe Habiba,
      vielen Dank für deinen Kommentar und besonders auch die Erinnerung an Hannah Arendt. Sie ist ja auch eine der Quellen, denen wir hier mit unserem Verständnis „kultureller Handlungen“ verbunden sind.
      Ich schätze Hartmut Rosa auch deshalb, weil er eigentlich immer sehr viele Verweise gibt auf andere (meist Männer … aber auch Arendt), aus denen seine Ideen und seine Theorien sich speisen und sich nicht als Erfinder gibt. Auch sucht er tatsächlich den resonanten Diskurs in und abseits des wissenschaftlichen Feldes. Doch vermutlich auch er mit – zumindest temporären – blinden Flecken und vielleicht einer gewissen Eitelkeit durch seinen Erfolg? – letzteres kann ich nicht beurteilen.
      Danke, ja – in diesem Vortrag, zu diesem Thema wäre der geschichtliche Resonanzbogen zu dieser großen Denkerin spannend gewesen.
      do

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